Seit den siebziger Jahren gehören Kletterer zu den festen Einrichtungen des
Sarcatals und das kleine nette Städchen Arco hat sich zu einem Szenetreff
gemausert, das den Vergleich mit Chamonix und dem Camp Four im Yosemite nicht
scheuen braucht.
Eine Entwicklung, die nicht wirklich erstaunt, da die Bedingungen in und um
Arco nahezu perfekt sind um ein paar schöne Klettertage zu verbringen. So lockt
Arco mit 2031 jährlichen Sonnenscheinstunden und spätestens ab Anfang März mit
Temperaturen, die entspanntes Klettern im T-Shirt zulassen.
Aber auch das Drum-Herum in Arco stimmt. Die kleine Fussgängerzone wartet nach
einem anstrengenden Klettertag mit kleinen Cafes, verlockenden Eisdielen und
natürlich dem berühmten Cafe-Trentino, dessen Wand mit den handsignierten
Bildern aller großen Namen des Klettersports, allein einen Besuch bereits
lohnen. Man sollte es daher keinesfalls versäumen Nachmittags auf einen
Capuccino oder später am Abend auf ein Bier im Cafe Trentino vorbeizuschauen,
wo an den kleinen Tischen unzählige Besucher mit erhobenen Armen, wild
gestikulierend die Routen des Tages noch einmal Revue passieren lassen.

Anfahrt
Über den Brenner auf der A 22 nach Bozen und Trento. Bei der Ausfahrt
Rovereto-Süd runter von der Autobahn, durch Mori und weiter Richtung Riva del
Garda. Am Ortsende von Nago rechts ab Richtung Arco.

Klettern
Arco wartet mit vielen kleineren und größeren Klettergebieten auf, die alles
bieten, was das Kletterherz begehrt: Sportklettern vom vierer bis unendlich,
längere Sportkletterrouten mit vier bis zehn Seillängen, aber auch einige
Alpine Klettereien, immerhin mit Wandhöhen von bis zu 800 oder 1000 Metern.
Ein Routenangebot, was für ein Kletterleben jedenfalls mehr als ausreichend ist
und eine komplette Übersicht über alle Gebiete unmöglich macht. Wer nach Arco
fährt muss sich sein persönliches Kletterprogramm aus der Vielzahl der
Möglichkeiten selber zusammenstellen. Wir haben aber einige Gebiete ausgewählt,
die sich bei einem Besuch in Arco auf jeden Fall lohnen:

Massone
Steil und geil, aber in den leichteren Routen unfaßbar speckig. Ansonsten
schöne Wand inmitten eines privaten Olivenhaines, die im hinteren Teil tolle
überhängende Routen bietet und in der man selbst bei leichtem Regen trocken
klettern kann. Mit dem Auto in wenigen Minuten von Arco aus zu erreichen. 
Nago
Topgebiet mit allen Arten von Klettereien, zumeist senkrecht und erstaunlich
speckresistent. Es lohnt sich auf jeden Fall in allen Sektoren dieses Gebietes
einmal vorbei zuschauen. 
Belvedere
Wie der Name schon sagt, bietet dieses Gebiet atemberaubende Tiefblicke auf den
Gardasee, die allein schon einen Besuch lohnen. Aber auch die allgegenwärtigen
Sinterüberhänge sollte man einmal geklettert sein. Einziges Manko ist die
notwendige abenteuerliche Überquerung einer viel und vor allem schnell
befahrenen Straße direkt in einer Kurve- also Vorsicht!
Spiaggia delle Lucertole
Der sog. "Eidechsenstand" gehört zu den "ältesten" Arco-Felsen und bietet mit
den rostigen Eisenstäben -die direkt über der Wasserlinie die einzige
Möglichkeit sind, um in die Einstiege der Routen zu gelangen- bereits mit dem
Zustieg ein echtes Abenteuer. Aus den -zugegebener Maßen recht unbequemen-
Hängeständen heraus erreicht man einige durchaus anspruchsvolle Routen- aber
Vorsicht, was einem aus der Hand fällt, das verschwindet auf nimmer Wiedersehen
in den Fluten des Gardasees.
Crosano
Schöner, vertikaler Kletterfelsen, mit vielen leichten bis mittelschweren,
meist technisch anspruchsvollen Routen, an dem es zu allen Jahreszeiten sehr
warm ist. 
Cultura
Ein Tipp für den Abreisetag. Etwas im Hinterland in der Nähe von Tione gelegen,
liegt dieses kleine Gebiet direkt an der Straße, so dass man sein voll
gepacktes Auto jederzeit im Blick hat. Ein Umstand, den man auch im Italien der
heutigen Zeit zu schätzen weiß. Wer es mit der Heimreise nicht so eilig hat,
dem sei die Fahrt über Madonna di Campilio, auf der landschaftlich sehr
reizvollen Straße zurück nach Bozen, empfohlen. Ansonsten bietet das Gebiet
unterarmkillende Routen mit bis zu 30 Metern, die im Hinblick auf den
angegebenen Schwierigkeitsgrad recht anspruchsvoll erscheinen. 
Absicherung
Die Routen sind im Allgemeinen gut abgesichert, was auch den weniger Geübten
ein ziemlich sorgenfreies Vorstiegsvergnügen beschert. 
Material
Mit einem 60 Meter Seil und mindestens 12 Expressschlingen ist man
normalerweise gut ausgerüstet.
Übernachtung
Neben zahlreichen Pensionen und Ferienwohnungen findet man in Arco 2
Campingplätze, Camping Arco und Camping Zoo. Der Campingplatz Zoo ist der
preiswertere, einfachere und etwas weiter draußen gelegene Platz, während man
vom Camping Arco in wenigen Minuten im Ort ist und auch ansonsten etwas
komfortabler wohnt. Der Campingplatz Arco bietet einige Holzbungalows und
Hütten für vier Personen an, die mit einem eigenen Bad und einer richtigen
Küche ausgestattet sind. Kostenlose Zugabe auf dem Campingplatz ist außerdem
der Blick auf die in den Wänden des Colodri -dem Hausberg Arcos- kletternden
Seilschaften, den man bei frischen Brötchen und einer Tasse heißem Tee zum
Frühstück genießen kann.
Verpflegung
Mehrere Supermärkte und ein umfangreiches Angebot an Restaurants, Pizzerien und
Eisdielen sorgen dafür, dass die tagsüber verlorenen Kalorien abends umgehend
wieder zugeführt werden können. Neben dem schon erwähnten Cafe-Trentino sollte
man auf jeden Fall auch in der Pizzeria Pace einmal vorbeischauen. An den
Wänden kann man nachlesen, was der eine oder andere bekannte Kletterer bei
einem Besuch für eine Pizza verdrückt hat (vielleicht nützt es ja was?!).
Ansonsten sind die Preise günstig und die Portionen riesig. 
Shopping
Wer in Arco ist, der darf es auf keinen Fall versäumen, den Arco-Triathlon zu
absolvieren. Die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle wichtig ist nur, dass
alle Stationen, nämlich Gobbisport, Vertical World Sport und Red Point
Equipment besucht werden. Aber Vorsicht, von den Preisen wird man süchtig!
Kletterführer
Arco Falesie von Diego Depretto und Marareth Eisendle, Edizioni Adventures
1999, erhältlich in den genannten Sportgeschäften.
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